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Buchbesprechung: Victor Caspak & Yves Lanois “Die Kurzhosengang”

Cover Steinhöfel und Drvenkar :-)Lesealter 10+(Carlsen-Verlag 2004, 203 Seiten)

Victor Caspak und Yves Lanois – so heißen angeblich die kanadischen Autoren des Jugendbuches „Die Kurzhosengang“. Bloß etwas seltsam, dass sich das Buch auf Englisch weder bei Amazon.com noch bei Amazon.ca noch sonst irgendwo im Web finden lässt – außer unter dem deutschen Titel. Es liegt die Vermutung nahe, dass da der vermeintliche Übersetzer Andreas Steinhöfel (selbst bekannter Jugendbuchautor) unter einem Pseudonym selbst Hand angelegt hat. Unter Umständen noch mit Unterstützung eines Kollegen…
Egal. Was hier zählt ist ja das Buch an sich: ob man es lesen sollte oder nicht, ob man es verschenken kann (und wenn ja, an wen), ob man es weiterempfehlen kann…

Inhalt:

Die Kurzhosengang – das sind Rudolpho, Island, Snickers und Zement, die in einem kleinen Kaff in Kanada leben und dort die Gegend unsicher macht. Hoch im Kurs stehen bei den Jungs das heimliche Anschauen von Horrorfilmen (die hübsche Schwester eines der vier Knaben muss sie für sie in der Videothek ausleihen, wenn die Eltern mal nicht zu Hause sind), das Herumfahren mit ihren „Maschinen“ (gemeint sind die Fahrräder) und das Begehen von Heldentaten. Und wegen dieser Heldentaten ist die Kurzhosengang in ganz Kanada berühmt.
Selbst das Fernsehen reißt sich um Rudolpho, Island, Snickers und Zement und lädt sie in eine Talkshow ein. Und dort sollen die Bandenmitglieder erzählen, warum ihre Jugendbande den Namen „Kurzhosengang“ trägt – kein einfaches Vorhaben, denn jeder der vier hat seine eigene Version. Und diese vier ganz unterschiedlichen Versionen füllen fast das ganze Buch.
Rudolpho z.B. berichtet davon, wie ihr Schulgebäude einem winterlichen Orkan zum Opfer fällt – und die Kurzhosengang sind die Helden des Tages, weil sie die Schüler der eigenen Klasse aus der Turnhalle retten. In den anderen Geschichten, die Island, Snickers und Zement erzählen, geht es um den Besuch eines Grizzly-Bären im Wohnhaus von Snickers, den Bandenkrieg mit der PauliGang, die Geburt eines Kindes in einem vom Schnee verschütteten Auto… Mehr sei hier nicht verraten!

Bewertung:

Die vier Geschichten um die Kurzhosengang sind amüsant und kurzweilig zu lesen – was die vier Jungs alles erleben ist ganz schön starker Tobak (also nicht immer so ganz glaubwürdig). Aber genau das macht beim Lesen so Spaß – dass nicht alles mit ganz rechten Dingen zugeht. „Die Kurzhosengang“ ist ein Kinder- und Jugendbuchfeuerwerk, bei dem nicht nur einzelne Kracher gezündet werden, sondern eine halbe Stadt in Brand gesetzt wird (man verzeihe mir dies pyromanische Bild)! Rudolpho, Island, Snickers und Zement muss man einfach mögen, denn sie sind freche und zugleich nette Lausbuben, die sich selbst erziehen. Erwachsene sind nur Randfiguren…

Fazit:

5 von 5 Punkten. Egal, wer das Buch nun geschrieben hat – dem Verfasser bzw. den Verfassern muss man bescheinigen, dass „Die Kurzhosengang“ höchst unterhaltsam und lesenswert ist. Gänzlich unbeschwert kommen die vier Jungs daher und schleichen sich mit ihren Schelmenstreichen in das Herz des Lesers.
Wer für Kinder ab 8 Jahren an diesen verregneten Vor-Ostertagen etwas zum Vorlesen sucht, wer ab 9/10 Jahren selbst die Zeit gelungen totschlagen will, der kann sich an die „Kurzhosengang“ wagen. Viel Spaß mit Rudolpho, Island, Snickers und Zement!

P.S.: Mein Tipp übrigens, wer das Buch geschrieben hat: Andreas Steinhöfel und Zoran Drvenkar in Teamarbeit… Irgendwann wird das Geheimnis schon noch gelüftet – ich werde euch informieren!)

P.P.S.: Na, inzwischen (zwei Jahre später) ist klar, dass es Andreas Steinhöfel und Zoran Drvenkar waren, die das Buch verfasst haben.

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(Ulf Cronenberg, 06.04.2004)

Lektüretipp für Lehrer!

Dieses Buch hat das Zeug zu einem neuen Klassiker – mein Favorit! Skurrile Figuren, eine mehr als witzige Geschichte, viele Themen, die Fünftklässlerin interessieren, ideal zum kreativen (Weiter-)Schreiben eigener Kurzhosengang-Geschichten. An einer fünften Klasse von mir als Vorlesebuch erprobt – wir haben viel gelacht… – und inzwischen (2005) auch als Klassenlektüre in einer fünften Klasse. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert, und die Spiele, die sie zu dem Spiel entworfen und gebastelt haben, waren einfach toll.

Kommentare (9)

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  3. Christoph Enzinger

    Wer sagt, dass es sich hierbei um ein Kinderbuch handelt?
    Es ist höchst skurrile und kultige Lektüre für Erwachsene!
    Dafür zeugen schon die Einleitung des Übersetzers und seine höchst informativen Fußnoten. 😉
    Liebe Leute, lest das!

  4. Ulf Cronenberg

    Ja, ich kenne auch viele Erwachsene, die sich bei der Kurzhosengang köstlich amüsiert haben. Es ist trotzdem meiner Meinung nach ein Kinderbuch – aber eben eines, das Erwachsene auch gerne lesen …

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  6. Lisa

    Das Buch ist cool!

  7. Christine

    Auch ich habe das Buch mit einer 5. Klasse gelesen, wir haben uns sehr oft gekringelt vor Lachen … Auch die inzwischen erschienenen Lehrerhandreichungen diverser Verlage sind gut einsetzbar.

  8. Ana

    Danke. Ich schreibe morgen eine Klassenarbeit, und das hat mir sehr geholfen.

  9. Lilli

    Das Buch ist wirklich lustig, jeder erzählt seine eigene Geschichte … Dabei handelt es sich um Snickers, Rudolpho, Zement und Island. Das sind richtig mutige Jungs, die die Klasse gerettet haben, die einer Frau nach einem Autounfall geholfen haben, die einen Grizzly-Bär zum Einschlafen gebracht haben und die Leute aus einem Zug gerettet haben! Das Buch ist megaspannend, aber leider gibt es kein Film dazu … 🙁 Trotzdem ist das Buch weiterzuempfehlen … 🙂 ♥ Ich liebe solche Bücher!

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