Jugendbuchtipps.de

Buchbesprechung: Andreas Steinhöfel “Rico, Oskar und das Herzgebreche”

Cover SteinhöfelLesealter 10+(Carlsen-Verlag 2009, 269 Seiten)

Ja, mit Fortsetzungen ist das immer so eine Sache … Nimmt man z. B. die „Kurzhosengang„, an der Andreas Steinhöfel ja mitgeschrieben hat, so war da Band 2 eher enttäuschend. Und dennoch habe ich mich gefreut, dass es von „Rico, Oskar und die Tieferschatten„, das schon so einige Preise eingeheimst hat (darunter auch die Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009) nun einen zweiten Band gibt: „Rico, Oskar und das Herzgebreche“. Ein seltsamer, aber das Interesse weckender Titel …

Inhalt:

Rico und Oskar sind seit dem letzten Abenteuer gute Freunde geworden und treffen sich regelmäßig. Der neunmalkluge Oskar hat inzwischen seinen Sturzhelm, der ihn vor den Unwägbarkeiten der gefährlichen Welt schützen soll, durch eine viel zu große Sonnenbrille ersetzt, mit der er nicht minder seltsam aussieht. Als Oskars Vater sich nach einem nicht angekündigten Dänemark-Urlaub, wegen dem ihm das Arbeitslosengeld gekürzt wird, für ein paar Tage eine „Auszeit“ nimmt, zieht Oskar zu Rico und seiner Mutter.

Die beiden schleppen Oskar mit zu dem Bingoabend ins Pfarrzentrum, wo Ricos Mutter wie so oft gegen die vielen Rentner gewinnt und als Preis eine billige Plastikhandtasche bekommt. Dabei bemerkt Oskar, dass Ricos Mutter eigentlich gar nicht die richtigen Bingozahlen angekreuzt hatte, trotzdem aber als Siegerin auf die Bühne geholt wurde, um die Handtasche von der alten Ellie in Empfang zu nehmen.

Oskar erzählt Rico später am Abend davon – und Rico kann es erst gar nicht glauben, doch die beiden riechen Lunte und vermuten, dass hinter all dem wohl etwas Größeres steckt. Ihr Detektivradar ist jedenfalls angeknipst. Ihre Vermutungen gehen in die Richtung, dass Ricos Mutter erpresst wird und die möglicherweise geklauten Handtaschen bei eBay verkaufen muss. Kurz darauf stellen Rico und Oskar fest, dass die vermeintliche Plastiktasche gar nicht so billig ist, dass es sich dabei vielmehr um ein edles Ledermodell handelt. Und so machen sich die beiden am nächsten Tag daran, Nachforschungen anzustellen, was gar nicht so einfach ist …

Bewertung:

Auch wenn die Inhaltszusammenfassung vielleicht anders klingt: „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ ist weniger Krimi oder Detektivgeschichte als Band 1, obwohl das Buch natürlich Elemente davon hat. Aber diese kommen erst recht spät zum Tragen – und bis dahin stehen andere Dinge im Vordergrund. Es ist vor allem Oskar, der diesmal etwas mehr ins Zentrum rückt: die schwierige Geschichte mit Oskars Vater, über die der Junge eigentlich nicht reden will, seine schnelle Auffassungsgabe und Hochbegabung sowie all die Seltsamkeiten, die daraus resultieren.

Oskar ist jedenfalls nie um eine schlaue Antwort verlegen, gibt neunmalkluge Kommentare von sich, so dass Rico mehr als einmal ziemlich von seinem Freund genervt ist. Als Leser darf man über Oskars Besserwisserei dagegen schmunzeln, ja, muss immer wieder auch mal spontan loslachen …

Überhaupt haben die komischen Momente in Band 2 von „Rico“ noch ein bisschen an Bedeutung gewonnen – die vielen schrulligen Figuren aus dem Buch machen’s möglich. Der alte Fitzke, der über Rico wohnt, entpuppt sich als seltsamer und verrückter Sammler von Steinen (mehr sei nicht verraten!), die beiden Kessler-Zwillinge haben es auf Rico und Oskar abgesehen, seit sie wissen, dass die beiden in der Zeitung standen, und und und … Die witzigen Lexikoneinträge von Rico dürfen natürlich auch diesmal nicht fehlen. Dass am Ende der Krimiteil etwas in den Vordergrund rückt, tut dem Buch gut. So wird es auch in Band 2 spannend. Außerdem wartet auf den letzten Seiten so einiges Unerwartete auf den Leser …

Ein kleiner Kritikpunkt sei jedoch noch angefügt, auch wenn er nicht allzu sehr ins Gewicht fällt: Am Ende übertreibt es Andreas Steinhöfel für meinen Geschmack ein bisschen mit dem Bild der Bingokugeln, die für Ricos Verwirrung stehen, wenn mal wieder zu viel auf ihn einströmt und er mit dem Ordnen seiner Gedanken nicht mehr hinterherkommt. Das wirkt schon etwas sehr penetrant. Doch mehr gibt es an dem Buch wirklich nicht zu kritisieren …

Fazit:

5 von 5 Punkten. Die Fans von Rico und Oskar kommen auch in Band 2 voll auf ihre Kosten. „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ ist eine tolle Kindergeschichte: immer liebenswürdig, darüber hinaus humorvoll und am Ende auch spannend – eine Mischung wie sie unter den deutschen Kinderbüchern eher selten vorkommt.

Rico und Oskar stürmen mit dem zweiten Band ein weiteres Mal in Richtung Sympathiepreis für die liebenswertesten Hauptfiguren – es ist gerade die Mischung aus einem tief- und einem hochbegabten Jungen, die dieses Buch ausmacht. Und die anderen Buchfiguren stehen dem nicht groß nach …

blau.giflila.gifrot.gifgelb.gifgruen.gif

(Ulf Cronenberg, 24.04.2009)

(Übrigens: Wie Andreas Steinhöfel gestern auf einer Lesung sagte, ist Band 3 schon in der Mache. Dann sollen Rico und das Förderzentrum, in dem er zur Schule geht, im Mittelpunkt stehen.)

Lektüretipp für Lehrer!

Band 1 „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ist wohl die geeignetere Schullektüre, da man Band 2 nur richtig genießen kann, wenn man schon in Ricos Welt eingeführt wurde. Trotzdem spricht für Fünftklässler auch nichts gegen „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ als Schullektüre, wenn man das erste Buch vielleicht vorher durch ein Referat vorstellen lässt. Oder noch besser: Man lässt die Schüler gleich beide Bücher lesen …

Die Stärke von Band 2 ist sicher, dass darin die Unterschiede zwischen Rico und Oskar stärker herausgearbeitet werden. Und damit eignet sich das Buch besonders zur Besprechung in Hochbegabtenklassen, die es ja doch hier und dort gibt.

Band 1 kam jedenfalls in einer fünften Klasse Gymnasium (das habe ich selbst getestet) sehr gut als Klassenlektüre an …

Kommentare (16)

  1. Christina

    Hallo, ich fand den Band 1 „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ so gut geschrieben, dass ich mir gleich den 2. Band „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ besorgt habe.

    Bin also sehr begeistert von den Büchern, da sie sehr lustig sind und schön formuliert.

    Leider gibt es jetzt ein sehr großes Minus, das man vielleicht an den Autor weiter leiten sollte: Nämlich einige Dinge, die nicht richtig sind.

    Dass auf Seite 18 von Tomaten die Rede ist, die bereits nach einem Tag auf der Fensterbank verschrumpeln, konnte ich noch gerade so verkraften. Aber man hätte ja auch Paprika nehmen können; die schrumpeln wirklich. Und die meisten Leute lagern Tomaten nicht im Kühlschrank, sondern auf der Fensterbank zum Nachreifen. Fragt doch mal die Kinder! Die wissen so etwas. Aber das mit den Tomaten konnte ich noch fast so verkraften.

    Viel schlimmer finde ich, dass auf Seite 71 das „hochbegabte“ Kind davon erzählt, dass Neumond durch den Erdschatten entsteht. Das weiß doch jedes Kind, dass die Erde nur bei Vollmond einen Schatten auf den Mond wirft und das nennt man dann Mondfinsternis. Ansonsten entstehen die Mondphasen durch den Körperschatten (also den Eigenschatten des Mondes selbst), die Rückseite des Mondes ist einfach nicht beleuchtet.

    Bzw. besser gesagt: Es weiß vielleicht nicht jedes Kind, und deshalb finde ich es um so schlimmer, dass es von Herrn Steinhöfel dort falsch beschrieben wird. Wenigstens als Autor sollte man sich darum kümmern, dass das Buch inhaltlich richtig ist. Hat das denn niemand Korrektur gelesen?

    Bitte unbedingt verbessern. Ich werde dann mal weiter lesen …

  2. Ulf Cronenberg

    Hallo, Christina,

    ob Andreas Steinhöfel deinen Kommentar lesen wird, wage ich zu bezweifeln. Aber was den Mond angeht, hast du natürlich recht.

    Immerhin habe ich übrigens deinen Kommentar Korrektur gelesen und die falsche Schreibung von „Oskar“ (bei dir mit „c“) ausgebessert … 🙂

    Viele Grüße, Ulf

  3. Anna Martin

    Hallo alle da draußen !
    Wir lesen in meiner Klasse gerade das Buch „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Bis jetzt fand ich das Buch echt lustig!!
    Wirklich großes Kompliment an Andreas Steinhöfel! Echt super!!
    Danach würde ich mir sehr gerne noch den zweiten Band kaufen … Naja, erst wenn ich den ersten fertig gelesen habe. 🙂
    Ciao (an alle da draußen, die das jetzt gelesen haben)

    PS: Andreas Steinhöfel, falls Sie das jetzt lesen, bitte ich Sie, mir doch einen Kommentar zurückzuschreiben.

  4. Franca

    Hallo!
    Beim Lesen des Buches „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ hatte ich viel zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Meine Schwester geht in eine Klasse mit tiefbegabten Kindern. Den Begriff „tiefbegabt“ finde ich interessant, auch wenn er nur von Andreas Steinhöfel benutzt wird. Das Buch fand ich superschön, weil es zuerst normal war und dann richtig spannend wurde. Ich freue mich schon darauf, wenn ich den zweiten Band lese.

  5. Marlies

    Liebe Leser!
    Ihr könnt froh darüber sein, wenn ihr A. Steinhöfel nicht auf der lit.Cologne habt lesen hören. Dort meinte er sich damit rühmen zu können, dass den 3. Band zwei nackte Jungenpopos zieren werden. Das finde ich aus aktuellem Anlass besorgniserregend. Die Prüderie der 60er ist auch längst (von anderen Autoren) überwunden worden! Ansonsten kam Herr Steinhöfel – egal, was die jungen Zuhörer fragten – immer wieder aufs Geldverdienen zurück. Das scheint den Autor in erster Linie zu interessieren! Ein Kind bemerkte nach der Lesung treffend: „Das Buch war ja ganz schön, aber der Mann war irgendwie nicht korrekt!“ Wie wahr! Nachdem ich den 1. Band in der Klasse 5 vorgelesen habe, werde ich nun weder den 2. noch den 3. kaufen oder lesen. Ich bin regelrecht bedient. Die Selbstgefälligkeit des Autors kann ich nicht ertragen und auch beim Lesen nicht ausblenden. Für Herrn Steinhöfel ergibt sich aus der Begegnung lediglich ein kleiner Verdienstausfall.
    P.S.: Viele Eltern sind gar nicht so unfähig, wie der Autor sie darstellt!

  6. OK

     … Also … das sind ja mal merkwürdige Kritikpunkte.
    Tomate: Ich würde Rico durchaus zutrauen: a) dass er in einem Laden einkaufen geht, in dem es nicht die haltbarsten Tomaten gibt, oder b) dass er bei der Auswahl von Tomaten nicht das beste Händchen hat.
    Mond: Interessant ist auch der Kritikpunkt mit dem Neumond. Wir wissen schon alle, dass es sich nicht um ein Sachbuch handelt, sondern um Fiktion. Abgesehen davon: Wissen Hochbegabte alles? Machen die keine Fehler? Und wie alt war Oskar gleich wieder?
    Der böse Autor: Und Herr Steinhöfel ist selbstgefällig … Jetzt wollen wir seine Werke nicht mehr lesen … Lasst uns 80 Prozent der Weltliteratur vergessen … und nur die Werke von Autoren lesen, die ein anständiges Leben führen … und die wir alle lieb haben …

    Wer Fehler findet darf sie behalten …

  7. Claudi

    Ich finde beide Bücher total cool! Habe sie empfohlen bekommen. Weil sooooo witzige Stellen drin sind, muss man oft einfach loslachen! Diese Bücher sind sehr gut gelungen!

  8. Tina

    Ich habe bis jetzt nur Band 1 gelesen und ich finde ihn besser als jedes Buch, das ich kenne. Ich finde, dass es eine tolle Freundschaftsgeschichte ist. Ich liebe dieses Buch!!!

  9. Dr. Kritik

    Wann wurde das Buch rausgebracht?

  10. Ulf Cronenberg

    Wer lesen kann, ist meist im Vorteil … 😉
    Steht ganz oben.

  11. Susanne

    Ich wollte einfach mal ein Kinderbuch lesen, in dem nicht nur Probleme gewälzt werden, die für die Protagonisten unlösbar sind. Diese Problem haben meine Schüler schon daheim. Eine überaus kompetente Verkäuferin drückte mir „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ in die Hand. Die Schüler haben es regelrecht verschlungen, die schlechteste Note in der Lesekontrolle war eine 2 und die Arbeit am und mit dem Buch war klasse. Vielen Dank an Andreas Steinhöfel für dieses Buch. Die ganze Klasse wartet auf Teil 2 als Taschenbuch!
    Ach ja, und zum Thema Geld verdienen: Warum soll Steinhöfel mit seinen Büchern kein Geld verdienen wollen? Ich bin gern Lehrerin, muss aber auch essen, wohnen, etc. – also Geld verdienen!

  12. JoJo

    Das Buch ist einfach nicht lustig. Es macht auch keinen Spaß, es zu lesen. Es ist langweilig, finde ich.

  13. Onur

    Hallo, ich fand den Band 1 “Rico, Oskar und die Tieferschatten” so gut geschrieben, dass ich mir gleich den 2. Band “Rico, Oskar und das Herzgebreche” besorgt habe. Ich wünschte, dass es noch einen Teil von Rico, Oskar und dem Förderzentrum gibt. Bin also sehr begeistert von den Büchern, da sie sehr lustig und schön formuliert sind.
    Leider gibt es jetzt ein sehr großes Minus, das man vielleicht an den Autor weiterleiten sollte: Nämlich einige Dinge, die nicht richtig sind.
    Dass auf Seite 18 von Tomaten die Rede ist, die bereits nach einem Tag auf der Fensterbank verschrumpeln, konnte ich noch gerade so verkraften. Aber man hätte ja auch Paprika nehmen können; die schrumpeln wirklich. Und die meisten Leute lagern Tomaten nicht im Kühlschrank, sondern auf der Fensterbank zum Nachreifen. Fragt doch mal die Kinder! Die wissen so etwas. Aber das mit den Tomaten konnte ich noch fast so verkraften.
    Viel schlimmer finde ich, dass auf Seite 71 das “hochbegabte” Kind davon erzählt, dass Neumond durch den Erdschatten entsteht. Das weiß doch jedes Kind, dass die Erde nur bei Vollmond einen Schatten auf den Mond wirft und das nennt man dann Mondfinsternis. Ansonsten entstehen die Mondphasen durch den Körperschatten (also den Eigenschatten des Mondes selbst), die Rückseite des Mondes ist einfach nicht beleuchtet.
    Bzw. besser gesagt: Es weiß vielleicht nicht jedes Kind, und deshalb finde ich es um so schlimmer, dass es von Herrn Steinhöfel dort falsch beschrieben wird. Wenigstens als Autor sollte man sich darum kümmern, dass das Buch inhaltlich richtig ist. Hat das denn niemand Korrektur gelesen?
    Bitte unbedingt verbessern. Ich werde dann mal weiter lesen …

  14. Pingback: Jugendbuchtipps.de» Blogarchiv » Buchbesprechung: Andreas Steinhöfel „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“

  15. Esra Aydin

    Ich kann es nicht ausstehen … Ich fand Band 1 („Rico, Oskar und die Tieferschatten“) viel besser. Naja … ich versteh das Buch manchmal auch nicht.

  16. Siggi

    Hallo,
    ich bin Deutschlehrer und hab letztes Jahr mit meiner 5. Klasse die „Tieferschatten“ gelesen. Davon war die Klasse so begeistert, dass sie freiwillig den zweiten Band – also das „Herzgebreche“ – lesen wollte. Was wir jetzt auch tun. Für eine Klasse, in der viele eher in Richtung tief- als hochbegabt einzuordnen sind, ist das etwas ganz Außergewöhnliches.
    Ich selbst hab mittlerweile auch den dritten Band gelesen und viel Spaß dabei gehabt. Steinhöfel kriegt m. E. die Kurve, die ein gutes Kinder- und Jugendbuch ausmacht. Es gibt eine zweite Ebene, die eher den erwachsenen Lesern vorbehalten ist. Damit hat er was mit anderen „großen“ Kinderbuchautoren gemeinsam, z.B. Kästner.
    Siggi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.